
2025 | Violeta I. Haas, Konstantin Bogatyrev, Tarik Abou-Chadi, Heike Klüver and Lukas F. Stötzer
Gewinnt man mit Homophobie Wahlen?
Rechte und illiberale Regierungen setzen weltweit zunehmend auf anti-LGBTQ-Rhetorik als politisches Instrument. Eine neue Studie von Violeta I. Haas, Konstantin Bogatyrev, Tarik Abou-Chadi, Heike Klüver und Lukas F. Stötzer zeigt, dass diese Strategie Effekte auf Wahlergebnisse haben kann. Am Beispiel der in Polen viel diskutierten „LGBT-freien Zonen“ liefern die Autor*innen kausale Evidenz dafür, dass symbolische Angriffe auf Minderheitenrechte die Wahlbeteiligung in einer Weise verschieben, die Regierungsparteien stärkt.
Anti-LGBTQ- und Anti-Gender-Maßnahmen sind zu zentralen Bestandteilen illiberaler Politik geworden. Während ihre kulturellen und institutionellen Auswirkungen gut untersucht sind, ist ihr Einfluss auf politisches Verhalten weniger klar. Die Studie argumentiert, dass solche Maßnahmen starke Signale darüber aussenden, welche Identitäten gesellschaftlich anerkannt werden. Sie können Wähler*innen, die LGBTQ-Rechte ablehnen, mobilisieren und ihr Gefühl politischer Wirksamkeit steigern, während Personen, die Gleichberechtigung befürworten, eher entmutigt werden.
Um diese Dynamik zu untersuchen, analysieren die Autorinnen die Verabschiedung von Resolutionen zu „LGBT-freien Zonen“ in polnischen Gemeinden im Vorfeld der Parlamentswahl 2019. Diese Erklärungen, gefördert von der regierenden Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), positionierten lokale Behörden öffentlich gegen LGBTQ-Rechte. Die Ergebnisse sind eindeutig: In Gemeinden, die solche Resolutionen verabschiedeten, sank die Wahlbeteiligung – vor allem, weil sich weniger Anhängerinnen der Opposition beteiligten. Gleichzeitig stiegen die Wahlergebnisse der PiS, was darauf hindeutet, dass das politische Umfeld den Kern der Regierungswählerschaft stärkte. Diese Muster zeigen sich auch dann, wenn nur geographisch benachbarte Gemeinden verglichen werden, was regionale Unterschiede als Erklärung weitgehend ausschließt.
Insgesamt zeigt die Studie, dass symbolische anti-LGBTQ-Maßnahmen die Wahldynamik spürbar beeinflussen können. Sie spiegeln nicht nur illiberale Agenden wider, sondern festigen sie, indem sie bestimmte Wählergruppen mobilisieren und andere demobilisieren. Angesichts der internationalen Ausbreitung von Anti-Gender-Politiken ist es zentral zu verstehen, wie diese Maßnahmen politische Teilhabe verändern und damit zu aktuellen Formen des demokratischen Rückbaus beitragen.
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1 – Boris Štromar / Pixabay / Flag, Pride, Rainbow Image
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